Luciano Berio (1925-2003)
Call for Brass Quintet (1985)
Berios 1985 entstandene und 1987 überarbeitete Komposition Call f ür Blechbläserquintett ist eine tänzerische Ouvertüre mit offensivem, selten nur suspendierten Divertimentocharakter. Als ein Eröffnungsstück ist es geradezu prädestiniert, schrieb doch Berio über sein Werk: "Call ist eine kurze musikalische Zeremonie, ein Aufruf an das Publikum, eine Einladung zum Zuhören."
Das Werk des italienischen Komponisten Luciano Berio (1925-2003) hat ständig Anknüpfungspunkte ge- und erfunden, wo andere nur die Alternative eines Bruchs sahen. Das bedeutet aber nicht, dass er jemals von der Nostalgie befallen wurde, die in vielen Kompositionen des vergangenen Jahrhunderts spürbar ist. Ganz im Gegenteil hatte er sich stets eine unstillbare Neugier auf die Erkundungen seiner Zeitgenossen bewahrt – sowohl auf die musikalischen wie auch auf andere. Aber seine Dialoge mit Literatur, Linguistik, Musikethnologie oder Anthropologie hatten sich immer als höchst schöpferische Feldzüge erwiesen. Er eignete sich das Material an, das ihn als Musiker faszinierte, um daraus kreative Konsequenzen zu ziehen, die oft weit entfernt vom originalen Kontext waren.
Gerhard Stäbler (*1949)
...im Spalier... für 5 Blechbläser (1990)
Gerhard Stäbler studierte Komposition und Orgel in Detmold und Essen. Von Anfang an war er nicht nur als Komponist aktiv, sondern engagierte sich auch politisch und auf organisatorischem Gebiet. So konzipierte Stäbler die "Aktive Musik"- Festivals mit Neuer Musik und fungierte darüber hinaus im Jahr 1995 auch als künstlerischer Leiter der Weltmusiktage der "Internationalen Gesellschaft für Neue Musik" im Ruhrgebiet. In Workshops und Seminaren für Komposition und Improvisation arbeitete Gerhard Stäbler mit jungen Musikern aus vielen Ländern.
Stäblers Musik durchbricht oft den Rahmen des Konventionellen, indem er Elemente in seine Kompositionen mit einbezieht, die die herkömmliche Aufführungssituation (und damit die herkömmliche Publikumserwartung) durchbrechen, sei es durch Gesten oder Bewegungen im Raum, sei es mittels Licht- und Duftgestaltung oder aktives Einbeziehen des Publikums: Immer kommt es ihm darauf an, die Phantasie anzuregen, Ohren und andere Sinne für neue, unerwartete Wahrnehmungs- und Denkmuster zu sensibilisieren.
Samir Odeh-Tamimi (*1970)
Ja Nári* für 3 Blechbläser und Schlagwerk (2003)
neues Werk (UA, Auftagskomposition BRASS-INVENT)
Samir Odeh-Tamimi studierte bei Younghi Pagh-Paan und lebt zur Zeit in Berlin. Er ist Palästinenser israelischer Staatsbürgerschaft und die sein Volk treffende Situation von Gewalt und Repression durch den israelischen Staat wird in seinen Werken eindrucksvoll und bewegend reflektiert: Intensive Beschäftigung mit Koranrezitierungen und im Islam verwurzelten religiösen Ritualen schlagen sich in den unerbittlichen Klagegesängen seiner Werke nieder, hier findet man Grenzerfahrung der Existenz im wahren Sinn widerspiegelt.
Hans Werner Henze (*1926)
Fragmente aus einer Show (1971)
Das Werk besteht aus Episoden aus Henzes 1971 entstandenen Kantate Der langwierige Weg in die Wohnung der Natascha Ungeheuer. Die Kantate ist für Baritonsolo und verschiedene Instrumente gesetzt, darunter ein Klavierquintett, Jazzcombo und ein Blechbläserquintett, dessen Musik die Fragmente bilden.
Wie viele der jüngeren Werke Henzes ist der langwierige Weg... politisch inspiriert. Der Text von Gaston Salvatore, und der Titel bezieht sich auf die imaginäre Reise eines linken Bürgerlichen. Natascha Ungeheuer ist die „Sirene einer falschen Utopia“, welche ihm eine Zuflucht bietet, die es ihm erlaubt, sein edles revolutionäres Gewissen zu wahren, ohne notwendigerweise am eigentlichen Klassenkampf aktiv teilzunehmen. Während der Reise schwankt er aber zwischen seiner bürgerlichen Existenz und den revolutionären Idealen, und er verzichtet schließlich auf seine Versuche, sein Ziel zu erreichen – die Wohnung der Natascha Ungeheuer.
Pascal Dusapin (*1955)
Stanze für 5 Blechbläser (1991)
Pascal Dusapin, 1955 in Nancy geboren, wandte sich nach frühen Erfahrungen als Organist bald der Komposition zu, wobei er in André Boucourechliev einen tatkräftigen Unterstützer fand, der ihm 1976 als Gasthörer bei Messiaen den Zutritt zum Conservatoire Nationale Supérieur de Paris verschaffte. Von 1974 bis 1978 besuchte Dusapin an der Sorbonne die Kurse von Iannis Xenakis - eine Studienzeit, die sich später zu einem engen Lehrer-Schüler-Verhältnis entwickelte. Ebenso prägend für seine kompositorische Entwicklung wurde das Zusammentreffen mit Franco Donatoni. Indessen erreichte seine Arbeit schnell Eigenständigkeit, die sich in einem umfangreichen Schaffen kundtut.
Iannis Xenakis (1922-2001)
Khal Perr* für Blechbläserquintett und 2 Schlagzeuger (1983)
In den 50er Jahren begann Iannis Xenakis -von Haus aus Architekt- seine gewaltigen Klangmassen mittels mathematischer Zufallsoperationen zu lenken. Das Ergebnis nannte er „stochastische Musik“, eine Bezeichnung, die den zielgerichteten Umgang mit statischen Mengen meint, deren hörbares Produkt allerdings rein gar nichts mit trockenen mathematischen Gleichungen zu tun hat.
* in Kooperation mit Percusemble Berlin
